Stadtgeschichte

1853 – Jade-Vertrag

Am 20. Juli 1853 schließen das Großherzogtum Oldenburg und Preußen den Jade-Vertrag. Dieser regelt den Kauf eines Gebietes an der Jade durch Preußen zur Errichtung eines Marinehafens an der Nordsee. Die feierliche Übergabe erfolgt am 23. November 1854. Aus den in den folgenden Jahren entstehenden Hafen- und Werftanlagen geht später die Stadt Wilhelmshaven hervor.

Übergabe Jade-Gebiet

Im Jahr nach dem Vertragsschluss wird das Jade-Gebiet feierlich an Prinz Adalbert von Preußen übergeben. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

Gruppenfoto Vorbesitzer

Das Gruppenfoto zeigt die vormaligen Besitzer des Gebietes auf dem Wilhelmshaven entsteht. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

1869 – Namensverleihung

Am 17. Juni 1869 werden in Anwesenheit von König Wilhelm I. von Preußen die an der Jade geschaffenen Hafen- und Werftanlagen eingeweiht und auf den Namen „Wilhelmshaven" getauft. Eine Urkunde mit diesem Namen wird anschließend in den Grundstein der Elisabeth-Kirche (die heutige Christus- und Garnisonkirche) eingelassen. Der 17. Juni gilt daher als Geburtstag der Stadt Wilhelmshaven.

Grundsteinlegung

Die Grundsteinlegung der Elisabeth-Kirche am 17. Juni 1869 gilt als Geburtsstunde Wilhelmshavens. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

Einweihung Hafen- und Schleusenanlagen

Anlässlich der Einweihung der Hafen- und Schleusenanlagen und des Königsbesuches sind die Straßen Wilhelmshavens geschmückt. Zudem werden Triumphbögen errichtet. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

1871 – Gründung des Kaiserreichs

Nach drei Einigungskriegen gegen Dänemark, Österreich und schließlich Frankreich wird am 18. Januar 1871 das Deutsche Kaiserreich gegründet. Wilhelmshaven, bereits seit Mai 1870 Marinestation der Nordsee, wird neben Kiel zu einem der beiden Reichskriegshäfen. Die Garnisonsstadt beherbergt neben der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven bald auch zahlreiche Kasernen und ist Liegeplatz vieler Schiffe der Kaiserlichen Marine.

1873 – Wilhelmshaven erhält eine Kommunalverfassung

Im März des Jahres 1873 erhält Wilhelmshaven vier Jahre nach der Namensverleihung eine Kommunalverfassung. Die Jadestadt wird der Provinz Hannover zugeordnet und steht unter der Verwaltung des Amtes Wittmund, das behördliche Vertretungen in Wilhelmshaven einrichtet. Zuvor hatte ein 1854 von der Marine eingerichtetes Admiralitätskommissariat militärische und zivile Zuständigkeiten für das Jadegebiet auf sich vereint. Durch die Kommunalverfassung erhält Wilhelmshaven die Stellung einer Landgemeinde, die zusätzlich mit Rechten ausgestattet ist, die sonst Städten vorbehalten sind.

Aufstrebende Stadt

Aus bescheidenen Anfängen entwickelt sich Wilhelmshaven bald zu einer aufstrebenden Stadt. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

1879 – Gründung der Gemeinde Bant

Die Oldenburgische Regierung gründet mit einem Gesetz vom 13. April 1879 die Arbeitergemeinde Bant in unmittelbarer Nähe zum preußischen Wilhelmshaven. Vor allem die Kaiserliche Werft lockt Arbeiter an die Jade und fördert die Ansiedlung, die bald bis an die Grenzen Wilhelmshavens heranreicht. Noch heute prägen charakteristische Arbeiterhäuser aus Backstein die Straßenzüge des Stadtteils Bant.

Luftaufnahme Stadtteil Bant

Die Luftaufnahme des Stadtteils Bant aus dem Jahr 1938 zeigt die charakteristischen Arbeiterhäuser westlich der Werftstraße (links im Bild). In der Bildmitte ist die Banter Kirche zu erkennen. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

1880 – Baubeginn des Ems-Jade-Kanals

Im Jahr 1880 beginnen die Bauarbeiten am Ems-Jade-Kanal, der 1888 fertiggestellt wird. Der Kanal verbindet damals die Exklave Wilhelmshaven mit dem ebenfalls preußischen Ostfriesland. In Emden beginnend, mündet der rund 72 Kilometer lange Kanal in den Wilhelmshavener Hafen. Steht anfangs vor allem seine Funktion als Warentransportweg im Vordergrund, ist der Ems-Jade-Kanal heute vor allem für die Entwässerung der ostfriesischen Halbinsel von Bedeutung und kann darüber hinaus auch touristisch genutzt werden.

Ems-Jade-Kanal

Auf dem Ems-Jade- Kanal werden Waren nach Wilhelmshaven transportiert. Rechts am Ufer ist das 1887 fertiggestellte Jade-Bad zu sehen. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

Handelshafen

Der Wilhelmshavener Handelshafen am Ems-Jade- Kanal im Jahr 1930. Im Hintergrund ist das bis heute erhaltene Städtische Lagerhaus zu erkennen. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

1888 – Dreikaiserjahr

1888 besteigt im sogenannten „Dreikaiserjahr“ der marinebegeisterte Kaiser Wilhelm II. den Thron und übernimmt die Regierung. Während der Zeit des nun einsetzenden Wilhelminismus erfährt Wilhelmshaven einen deutlichen Aufschwung und erlebt bis 1918 seine Blütezeit. Mit der Vergrößerung der Kaiserlichen Marine in den Folgejahren gehen Erweiterungsbauten und Modernisierungen der Infrastruktur einher. In modernen, neu angelegten Quartieren lassen sich Offiziere und Beamte nieder. Zahlreiche Baudenkmäler dieser Zeit sind noch heute im Stadtbild Wilhelmshavens sichtbar.

Roonstraße

Die Roonstraße (heute Rheinstraße) entwickelt sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zur Hauptgeschäftsstraße Wilhelmshavens. Noch heute sind Teile der prächtigen Geschäfts- und Bürgerhäuser aus der Blütezeit Wilhelmshavens erhalten. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

1892 – Rathausbau

Am 31. Dezember 1892 wird das erste Wilhelmshavener Rathaus fertiggestellt. Das vom Berliner Architekten Richard Schultze erbaute Gebäude befand sich am Schnittpunkt von Rhein- und Gökerstraße, den damaligen Hauptstraßen der Stadt. Das Rathaus wurde 1907 erweitert. Nach dem Zusammenschluss Wilhelmshavens und Rüstringens wird es ab 1937 als Polizeipräsidium genutzt. Das Gebäude wird während des Zweiten Weltkriegs durch Bombentreffer zerstört und abgebrochen.

Wilhelmshavener Rathaus

Das Wilhelmshavener Rathaus war dem mitteldeutschen Renaissancestil nachempfunden. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

1900 – Beginn des dritten Abschnitts des Hafenbaus

Im Jahr 1900 beginnen umfangreiche Erweiterungsarbeiten am Hafen. Bis 1909 entsteht die Südwesterweiterung, die heute als Großer Hafen bekannt ist. Der Große Hafen bietet zur damaligen Zeit an seinem Nord- und Südufer Liegeplätze für Großkampfschiffe und Torpedoboote. Zudem entsteht die heutige Wiesbadenbrücke, die zur Übernahme von Kohle genutzt wurde. Im Rahmen der Umbauarbeiten entsteht auch die Dritte Hafeneinfahrt, die in zwei Kammern das Schleusen von Großkampfschiffen ermöglicht.

Großer Hafen

Der Große Hafen wird nach seiner Fertigstellung Liegeplatz für die zahlreichen Schiffe und Boote der Kaiserlichen Marine. Die Kohlezunge mit einer Länge von 350 Metern und einer Breite von 125 Breite (heute Wiesbadenbrücke) dient zur Kohlenübernahme. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)