Stadtgeschichte

1918 – Meuterei und Revolution

Die Hochseeflotte der Kaiserlichen Marine wird im Oktober 1918 in Wilhelmshaven für einen letzten Flottenvorstoß gegen England zusammengezogen. Da bereits Waffenstillstandsverhandlungen angestoßen sind, empfinden die Besatzungen die Pläne der Admiralität als sinnlose Todesfahrt und Verrat. Auf den Großkampfschiffen kommt es zu Meutereien, die das Auslaufen verhindern. Der Unmut der Matrosen wird durch Massenverhaftungen noch verstärkt. Als Schiffe der Hochseeflotte in Kiel eintreffen, wird aus der marineinternen Befehlsverweigerung eine Revolution, als Werftarbeiter sich den Protesten der Matrosen anschließen. Diese führt zur Beseitigung der Monarchie und zur Ausrufung der Republik. Die Revolution erfasst Wilhelmshaven in der Nacht auf den 6. November. Arbeiter- und Soldatenräte übernehmen die Kontrolle in der Stadt Wilhelmshaven. Ein Informationsparcours im Stadtgebiet Wilhelmshavens befasst sich an historischen Schauplätzen mit dem Revolutionsgeschehen vor Ort.

Meuterei

Die Meuterei auf den Großkampfschiffen vor Wilhelmshaven wird in Kiel zur Revolution. (Deutsches Marinemuseum)

Befreiung Gefangene

Am 6. November werden im Marineuntersuchungsgefängnis in der heutigen Ebertstraße Gefangene durch revolutionäre Matrosen befreit. (Deutsches Marinemuseum)

1929 – Einweihung des Rathauses

Am 11. Oktober 1929 wird nach nur eineinhalb Jahren Bauzeit das Rüstringer Rathaus eingeweiht. Den Entwurf lieferte der Hamburger Architekt Prof. Fritz Höger. Seit dem Zusammenschluss der Städte Rüstringen und Wilhelmshaven im Jahr 1937 wird das Gebäude als Rathaus der neuen Stadt Wilhelmshaven genutzt. Eine umfassende Instandsetzung des von Bombentreffern während des Zweiten Weltkriegs stark beschädigten Gebäudes wird 1953 abgeschlossen. Es ist noch heute Sitz der Stadtverwaltung Wilhelmshavens.

Richtfest

Richtfest während des Baus des Rüstringer Rathauses. Die Aufnahme zeigt das Rathaus von der heutigen Rüstringer Straße aus gesehen. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

Rathaus

Bildquellen: WZ Bilddienst, Marcus Jurk

Rathaus

Bildquellen: WZ Bilddienst, Marcus Jurk

1937 – Vereinigung Wilhelmshaven und Rüstringen

Am 2. April 1937 werden die oldenburgische Stadt Rüstringen und das preußische Wilhelmshaven zur neuen Großstadt Wilhelmshaven vereinigt. Die Verwaltungen werden im ehemaligen Rüstringer Rathaus zusammengelegt. Die Stadt verzeichnet bald erstmalig 100.000 Einwohner. In den folgenden Jahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erfolgen Gebietserweiterungen und die Schaffung neuer Wohnquartiere am Stadtrand.

Stadtwappen

Die vereinigten Städte Wilhelmshaven und Rüstringen führen ab 1937 dieses Stadtwappen. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

1939 – Stapellauf des Schlachtschiffes „Tirpitz“

Am 1. April 1939 läuft das Schlachtschiff „Tirpitz“ auf der Wilhelmshavener Kriegsmarinewerft vom Stapel. Im Rahmen der Feierlichkeiten besucht Adolf Hitler Wilhelmshaven und hält eine Rede auf dem Rathausplatz. Das gewaltige Schiff mit einer Länge von mehr als 250 Metern zählt zusammen mit seinem Schwesterschiff „Bismarck“ zu den größten, jemals in Deutschland gefertigten Großkampfschiffen. Ebenso wie ihr Schwesterschiff bleibt die „Tirpitz“ hinter den Erwartungen zurück und bringt keinen entscheidenden Vorteil im Seekrieg. Im November 1944 kentert das Schiff.

Rumpf der Tirpitz

Der gewaltige Rumpf des Schlachtschiffes „Tirpitz“ überragt die Werftgebäude. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

Schlachtschiff Tirpitz

Nach dem Stapellauf muss der Rumpf mit Schleppern, Ankern und Bremsschilden im Bauhafen gebremst werden.

1939 – Ausbruch des Zweiten Weltkrieges

Am 1. September 1939 entfesselt das nationalsozialistische Deutschland den Zweiten Weltkrieg. Als wichtiger Stützpunkt der Kriegsmarine und Standort der Kriegsmarinewerft wird Wilhelmshaven mehrfach Ziel von schweren alliierten Bombenangriffen, die große Teile der Stadt in Trümmer legen. Der Zweite Weltkrieg endet in Wilhelmshaven mit dem Einmarsch alliierter Truppen am 6. Mai 1945.

Strandhalle Südstrand

Während des Zweiten Weltkrieges wird Wilhelmshaven wiederholt Ziel von alliierten Bomberangriffen. Das Bild zeigt die beschäftigte Strandhalle am Südstrand. Das Gebäude wurde nach dem Ende des Krieges repariert. Heute behergt es einen Kinderspielpark und das Auquarium Wilhelmshaven. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

Rathaus

Das Wilhelmshavener Rathaus und die umliegenden Verwaltungsgebäude sind nach einem Bombenangriff schwer beschädigt. Der Rathausplatz ist von Trümmern übersäht. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

Nordseestation

Das Stationsgebäude der Nordseestation liegt in Trümmern. Viele Gebäude aus der wilhelminischen Blütezeit fallen den Bombenangriffen zum Opfer. Der Zweite Weltkrieg verändert das Stadtbild nachhaltig. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

1942 – Eröffnung IV. Einfahrt

Am 7. November 1942 wird nach sechsjähriger Bauzeit die Ostkammer der auch als „Raeder-Schleuse“ bezeichneten IV. Einfahrt eröffnet. Die beiden Kammern der Seeschleuse haben eine Länge von 390 Metern und sind 60 Meter breit. Die gewaltigen Dimensionen tragen den nationalsozialistischen Plänen zum Bau von gigantischen Großkampfschiffen auf der geplanten Nordwerft in Wilhelmshaven Rechnung. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird die IV. Einfahrt am 27. Januar 1949 von britischen Besatzungstruppen gesprengt. Im Zuge der Wiederbewaffnung Deutschlands wird jedoch ab 1956 mit Wiederherstellungsarbeiten begonnen. Die IV. Einfahrt kann 1964 wieder in Betrieb genommen werden. Sie verbindet heute die Wilhelmshavener Häfen mit dem vorgelagerten Marinestützpunkt und mit der Nordsee.

Schleusenkammern

Diese Aufnahme vom 30. Mai 1939 entsteht im Inneren der im Bau befindlichen 390 Meter langen und 60 Meter breiten Schleusenkammern. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

IV. Einfahrt

Wie viele andere Militär- und Rüstungsbauten wird nach dem Krieg auch die IV. Einfahrt zerstört Die Sprengung im Jahr 1949 zerstört jedoch maßgeblich die Schleusenhäupter und Molen. Im Jahr 1951 liegt die IV. Einfahrt in Trümmern. Die Schleusenkammern bleiben weitgehend intakt. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)

IV. Einfahrt

Nach einer Reparaturzeit von rund acht Jahren kann die IV. Einfahrt im Jahr 1964 wieder in Betrieb genommen werden. Sie dient bis heute als Verbindung zwischen dem tideunabhängigen Hafen und der Jade. (Stadtarchiv Wilhelmshaven)